Das Gorgonien-Lexikon ist eine deutschsprachige Datenbank über mein Interessensgebiet den Gorgonien, einem Teilgebiet der Meerwasseraquaristik. Dieses Lexikon wurde geschaffen, um zusätzliche Haltungshinweise - auch multimedial - den vielen Gorgonien zuzuordnen. Schon jetzt erhebt dieses Lexikon den Anspruch bei ausgesuchten Gorgonien Arten das umfassendste deutsche zentrale Nachschlagewerk zu sein. Das Lexikon ist aber auch ein Portal für alle Meerwasseraquarianer im Allgemeinen.

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Detritus

Der Inhalt ist verfügbar unter der Lizenz Creative Commons: Namensnennung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen.© Sven Roland Paul Fischer

Einleitung

Detritus (lat. detritus „Abrieb“) ist in der Hydrologie (Gewässerkunde) die Bezeichnung für zerfallende überwiegend organische Substanzen in Gewässern. Es handelt sich um Reste abgestorbener Pflanzen und Tiere, die ein wichtiges Glied innerhalb der Nahrungskette für die Aufschließung organischen Materials durch verschiedene Destruenten (Bakterien und Pilze) darstellen. Im Meer (Meeresschnee) sinkt dieses als Schwebstoffe vorhandene Material langsam zu Boden und bildet die Nahrung für Kleinstlebewesen, verschiedene wasserbewohnende Larven im Plankton und für manche Korallen. Alle Korallenarten, die eine schleimige Oberfläche haben können Detritus aufnehmen, manche Scheibenanemonen ernähren sich sogar ausgesprochen stark davon.

Korallen können Detritus fressen und sich die Nährstoffe zugänglich machen, was sie normalerweise auch tun. Für Korallen ist der Abbau von Detritus im besseren Fall ein Nullsummenspiel. Im schlechteren Fall müssen sie nach dem Detritusabbau auch noch mit Algen um die mineralischen Nährstoffe konkurrieren.

Detritus ist keine schnell verwertbare Kohlenstoffquelle, sonst wäre der schon verwertet. Ethanol (Wodka-Methode) ist dagegen mit einer kleinmolekularen organischen Kohlenstoffquelle wesentlich effektiver.

Im Detail

Wechselbeziehungen zwischen Produzenten, Konsumenten und Destruenten

Der Sammelbegriff steht für totes organisches und anorganisch mineralisiertes (=Mineralisation, aber ≠ Mineralisierung)) Material, das sich im Bodenbereich an strömungsarmen Stellen absetzt. Das Aussehen ist flockenartig, lose und hat eine überwiegend braune Färbung.

Der organische Anteil
  • tierische- und pflanzliche Ausscheidungen
  • tote Tiere
  • abgestorbene Algen (Phytoplankton, Makroalgen)
  • Bakterien
  • Korallenschleim
  • Kot
  • tote Futtertiere
  • Futterreste (Pellet-, Staub-, Flocken- und Frostfutter). Mit der Auswahl des Futters liegt eine begrenzte Möglichkeiten vor, die Zusammensetzung zu beeinflussen.
Der anorganische Anteil
  • Calciumphosphat
  • Panzer von Krustentieren

Als Destruent oder Reduzent wird in der Ökologie ein Organismus bezeichnet, der organische Substanz abbaut und zu anorganischem Material reduziert. Diese Organismen sind in der Regel Bakterien und Pilze. In einem erweiterten Sinne schließt der Begriff Destruent vielfach auch die zerkleinernden Saprobionten mit ein, die allerdings die organische Materie nicht vollständig zu anorganischem Material abbauen. Destruenten sind demnach ausschließlich heterotrophe Organismen. Dieser Abbau benötigt Sauerstoff. Die Abbauprodukte sind bei vollständiger Mineralisierung Kohlendioxid, Ammonium und Phosphat. So beginnen sie beginnen den Stickstoffkreislauf und stellen die anorganischen Stoffe wieder für die Primärproduzenten zur Verfügung.

Wenn Detritus durch eine gut verteilte Strömung ständig in der Wassersäule gehalten wird und auch noch durch mechanische Filter nicht mehr im Becken frei verfügbar ist, dann hat das Auswirkungen auf den Bestand an folgenden Verwertern:

Höhere Lebensformen ernähren sich hauptsächlich von Detritus, bzw. den Destruenten
  • Korallen - manche mehr (Gorgonien, Dendronephthya, Scheibenanemonen) und manche weniger (Azoo)
  • Seegurken
  • Schlangenseesterne
  • Borstenwürmer
  • Zooplankton
  • bestimmte Schnecken (Babylonia, Nassarius)
  • Grundeln (z.B. Valenciennea puellaris (Maiden Schläfergrundel), Valenciennea strigata (Goldstirn-Schläfergrundel))
  • Muscheln
  • Schwämme
  • Röhrenwürmer
  • Seescheiden
Aber auch eher unbeliebte Formen profitierten von Detritus
  • Fadenalgen, die auch von lokalen Detritusansammlungen sich zunehmend vermehren - dabei sammelt sich mit der Zeit verstärkt Detritus dort an und die Fadenalgen wachsen noch stärker

Ein hohes Aufkommen von Detritus in Aquarien senkt in der Regel das Redoxpotential und erhöht den biologischen Sauerstoffbedarf; das sind im Allgemeinen ungünstige Umgebungsbedingungen.

Schaffung von Detritus

Neben dem normalen Futtereintrag, können auch Detritusschleudern (Bio-Pellets) Bakterien in nicht unerheblichen Mengen an das Wasser abgeben. Grabende Bodengrundbewohner können Detritus wieder in die Wassersäule bringen.

Entfernen von Detritus

Ob es notwendig ist Detritus zu entfernen oder nicht, hängt von den eigenen Zielen ab. Ungeachtet des ästhetischen Anspruchs das Wasser klar und den Bodengrund sauber zu halten, spielt es auch eine Rolle welchen Besatz das Becken hat.

Wenn in alten nährstoffbelasteten Becken plötzlich Bakterien eingesetzt und Nährstofflimitierungen aufgeboben werden, dann können riesige Mengen Detritus aufgebrochen werden, mineralisiert und Nährstoffe freigesetzt werden. Das kann dann zunächst eine typische Verschlechterung werden, die auch sehr heftig ausfallen kann, je nachdem, wie hoch das Ausmaß der Detrituseinalgerung ist.

Futtereintrag
 
Kräftige Fütterung (Fische/Korallen) -> viel Detritus
Wenig Fütterung (Fische/Korallen) -> wenig Detritus
 
Ziele
 
Nährstoffarmes Becken gewünscht -> besser wenig Detritus
Nährstofflimitierung unerwünscht -> besser Detritus haben
Korallen mit hohem bakteriellen Futterbedarf -> besser Detritus haben
Fadenalgenprobleme -> besser wenig Detritus
Es sollen höhere Lebensformen gehalten werden, die Detritus fressen -> besser Detritus haben
Es soll wenig höhere Lebensformen geben, die Detritus fressen und das Becken soll nährstoffarm gehalten werden -> besser wenig Detritus
Es soll wenig höhere Lebensformen geben, die Detritus fressen und das Becken soll nicht nährstoffarm gehalten werden -> wenn der Futtereintrag niedrig ist, ist wohl keine Filterung nötig
Es soll wenig höhere Lebensformen geben, die Detritus fressen und das Becken soll nicht nährstoffarm gehalten werden -> wenn der Futtereintrag hoch ist, kann eine Filterung nötig werden
 
Entfernen
  • Wasserwechsel
  • Abschäumer entfernen manche Schwebeteile aus dem Wasserkreislauf, somit stehen diese möglichen (fals organischen) Nährstoffe nicht mehr zur Verfügung
  • Mechanische Filtermedien, die durch Austausch oder Reinigung die Schwebstoffe nach einiger Zeit (erst) aus dem Wasserkreislauf entfernen
    • Filterwatte, einalgebrauch
    • Filterschaum, wiederverwendbar
  • Absaugen des Bodens. Dabei wird nicht nur Detritus entfernt, sondern meist auch hohe Phosphatansammlungen
    • Absaugen von lokalen Detritusansammlungen
    • Absaugen von Bodengrund. Je nach Beckenanteil Bodengrund und Lebendgestein kann der Bodengrund vorsichtig gespült werden, oder sogar intensiv gereinigt werden. Im letzteren Fall sollte man schrittweise vorgehen (z.B. max 30% des Bodengrunds, mit zwei Wochen Pause dazwischen), damit nicht zuviel Mikrofauna zerstört wird.

Bei ungewöhnlich hoher Anhäufung von organischem Detritus kann eine Nährstofflimitierung der Grund sein, dass nicht genug Nährstoffe für einen Abbau vorhanden sind. Dann häuft sich der organische Kohlenstoff in Form von Biofilmen an. Je nachdem, wie schnell und effizient ein Becken den organischen Kohlenstoff abbaut, ist das bei höherer oder niederer Nitrat- / Phosphat-Dosierung der Fall. Hier gilt es dann die Balance zu finden.

Unklar ist bis dato, wie stark sich noch im Wasserkreislauf befindliche Schwebstoffe in mechanischen Fitlermedien auf die Wasserqualität auswirkt

Da sich Detritus zunächst Boden abzusetzen wird, versuchen Aquarianer diese Ablagerungen durch eine gut verteilte und kräftige Strömung in der Wassersäule zu halten. Durch die Verteilung kann dann ein Abschäumer oder ein mechanischer Filter den Detritus entfernen. Detritus lagert sich allerdings auch in strömungsarmen Bereichen an, wie z.B. dem Ablaufschacht und Technikbecken.

Einzelnachweise

  1. Was passiert bei der Zersetzung von Detritus

Weblinks


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