Das Gorgonien-Lexikon ist eine deutschsprachige Datenbank über mein Interessensgebiet den Gorgonien, einem Teilgebiet der Meerwasseraquaristik. Dieses Lexikon wurde geschaffen, um zusätzliche Haltungshinweise - auch multimedial - den vielen Gorgonien zuzuordnen. Schon jetzt erhebt dieses Lexikon den Anspruch bei ausgesuchten Gorgonien Arten das umfassendste deutsche zentrale Nachschlagewerk zu sein. Das Lexikon ist aber auch ein Portal für alle Meerwasseraquarianer im Allgemeinen.

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Gorgonien - Lebewesen mit vielen "Gesichtern"

Gorgonacea – Rindenkorallen, Hornkorallen oder Gorgonien genannt, gibt es in etwa geschätzt 1200 Arten in vielen unterschiedlichen Farben und Formen. In fast allen warmen Meeren der Welt sind diese wunderschönen und faszinierenden Geschöpfe zu finden. Ungefähr zwei drittel der Arten bewohnen das Küstengebiet, dringen aber niemals bis ins Brackwasser vor. Über 10 % findet man in Tiefen unter 1000 Meter. Auch unterhalb 3000 Meter hat man noch Hornkorallen gefunden.

Es gibt eine große Anzahl im Aquarium ziemlich gut haltbarer Gorgonien, von denen ich einige Arten schon längere Zeit pflege und zum Teil auch schon vermehrt habe. Dabei handelt es sich, um Hornkorallen, die mit Zooxanthellen in Symbiose leben. Die Zooxanthellen versorgen die Korallen mit den wichtigsten Nährstoffen, hauptsächlich mit Glyzerin, Zuckerverbindungen und Aminosäuren. Obwohl diese Hornkorallen oft „nur" gelbbraun bis dunkelbraun gefärbt sind, die Stämme können allerdings sehr farbig sein, begeistern sie mich doch und sind ausgesprochen interessante Pfleglinge.

Die andere Gruppe leben nicht von Licht sondern ernähren sich durch Aufnahme von Stoffen aus dem Wasser. Einige Arten aus dieser Gruppe können aktiv fressen.

Die Arten aus dieser Gruppe bezeichnet man als azooxanthelle Arten. Diese überwiegend sehr farbigen Tiere sind in normalen Becken und bei normaler Pflege nicht haltbar. Für den Einstieg sind Tiere aus dieser Gruppe wirklich nicht geeignet, auch wenn sie wunderschön aussehen. Glaubt mir, ich weiß hier ziemlich genau wo von ich spreche. Erfahrungsaustausch mit wirklichen Experten bestätigen meine Aussage.

Berücksichtigt man die individuellen Ansprüche der Gorgonien – und die sind nicht sehr hoch (sieht man von den azooxanthellaten Hornkorallen Arten ab, oder den nicht fotosynthesetreibenden Hornkorallen) sind die Gorgonien sehr ausdauernd und weitestgehend anspruchslos.

Das Skelett der Gorgonien bzw. Hornkorallen bestehen aus einem elastischen und brüchigem Bestandteil zugleich - Gorgonin und Kalk. Je nach Art sind sie mehr oder weniger bruchempfindlich. Alle Gorgonien besitzen einen zentralen Stamm, der von einem kleinen Coenchym (Koloniegewebe) umgeben ist, auf dem sich die Polypen befinden. Das Achsenskelett besteht bei beiden Unterordnungen aus zwei Teilen, der Medulla (Mark) und dem Kortex (Rinde). Der Unterschied (u.a.) zwischen den beiden Gruppen ist, dass die Kalkachsenkorallen Sklerite, also Kalknadeln im Mark besitzen, die Hornkorallen dagegen nicht. Die Skelettstruktur wird immer von der gesamten Kolonie gebildet und nicht von den einzelnen Polypen. Wie auch bei den Lederkorallen gibt es Formen mit zwei Polypen (dimorph) als auch monomorphe Formen mit nur einem Polypentyp. Für die Systematik wird die Struktur des Achsenskelettes, die der Skleriten und die der Polypen herangezogen und nicht die Wuchsform, die je nach Standort unterschiedlich sein kann. Die achtfach gefiederten Polypen können sich bei Gefahr in dieses Coenenchym zurückziehen.

 

 

Die Systematik gliedert sich wie folgt:

 

Reich: Tiere (Animalia)

Unterreich: Vielzeller (Metazoa)

Abteilung: Gewebetiere (Eumetazoa)

Unterabteilung: Hohltiere (Coelenterata)

Stamm: Nesseltiere (Cnidaria)

Klasse: Blumentiere (Anthozoa)

Unterklasse: Alcyonaria

Ordnung: Weichkorallen (Alcyonacea)

 

Gruppen und Unterordnung

Gruppe: Kalkachsenkorallen Scleraxonia
Unterordnung Holaxonia
Unterordnung Calcaxonia


Die taxonomische Unterteilung begründet sich im unterschiedlichen Skelettaufbau, der Medulla. Wenn man es genau nimmt, müsste man nur diejenigen als Hornkorallen oder Gorgonien bezeichnen, die ein durchgängiges Innenskelett mit der hornähnlichen Substanz Gorgonin besitzen. Da aber die Korallen in allen drei Gruppen eine sehr ähnliche fächerartige Wuchsform entwickeln, bezeichnet man sie alle so, obgleich vielen von ihnen das eigentliche durchgängige Hornskelett fehlt. Ein weiterer Aspekt, alle Hornkorallen haben Polypen mit acht gefiederten Tentakeln.

Innerhalb der Ordnung Gorgonacea stammen die für die Aquaristik interessanten Gattungen überwiegend aus den beiden Familien Gorgoniidae und Plexauridae. Hier finden wir Arten, die unverzweigte Formen bilden, oder gegabelte Wuchsstrategien entwickelt haben. Aber auch laterale, gefiederte und fächerartig geformte Gebilde haben die Gorgonien hervorgebracht. Auch findet sich in der Gattung der Kalkachsen- und Hornkorallen flächenartig wachsende Formen.

Kommen wir zur Nahrungsaufnahme. Gorgonien auch die mit Zooxanthellen können feinste Futterpartikel aufnehmen.

Um die Korallen zum Öffnen der Polypen zu bewegen, helfen diverse Vitamin- und Aminosäurelösungen als Boten- oder Lockstoffe (auch „Trigger“ genannt). Durch Dosierung dieser Vitamin-/Aminosäure-Lösungen lässt sich häufig ein schnelles Öffnen der Polypen von Gorgonien bewirken. Dies soll dem Problem entgegenwirken, dass manche Korallen erst sehr spät auf das dargereichte Futter reagieren und dass dann das angebotene Futter bereits schon in der Dekoration oder den Filtern verschwunden ist. Man gibt erst die Vitaminlösung zu und nach einer Weile dann das Futter.


Neben der Funktion als sog. "Trigger" führt man mit Aminosäuren auch hochwertige gelöste Nährstoffe dem Aquariensystem zu, was besonders bei sehr nährstoffarmen Becken wichtig ist.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der für die Nahrungsaufnahme der Korallen von Bedeutung ist, ist die richtige Strömungsgeschwindigkeit mit der das angebotene Futter an der Koralle vorbeischwebt. Meine Erfahrung ist, dass eine etwas sanftere laminare Strömung zur Fütterung besser geeignet ist als eine starke turbulente Strömung. Die Nahrung bleibt dann eher an den Polypen haften.

© 2009 – 2016, Harald Ebert, Alle Rechte vorbehalten.

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