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Medusen im Aquarium - Eine unerwartete Überraschung - Text © Dietmar Schönfelder / Bilder © Dietmar Schönfelder, Iris Bönig, Ralf Sündermann

Medusen im Aquarium sind eher die Ausnahme in der privaten aquaristischen Praxis. So möchte ich einen kurzen Bericht über einen Vertreter dieser faszinierenden Wesen geben. Vor einiger Zeit richtete ich mir ein zweites Aquarium ein um es als Technikbecken und gleichzeitig als Refugium im Verbund mit dem Wohnzimmeraquarium zu nutzen. Es sollten Tiere und Algen gepflegt und vermehrt werden, die im Gesellschaftsaquarium kaum Überlebenschancen haben. Um eine größere Vielfalt im Refugium zu haben, kaufte ich mir einen Stein mit einer Grünalge Chlorodesmis fastigiata.

Diese Pflanze stammt nachweislich aus dem Indopazifik. Dieser Stein hatte es in sich! Zunächst von mir unentdeckt konnten sich einige Hydroidpolypen vermehren. Als ich sie dann das erste Mal sah, war es für ein Vorgehen dagegen zu spät. So habe ich mir diese Tiere eingeschleppt. Die Entwicklung nahm ihren Lauf und das Gestein sowie Teile des Bodengrundes wurden durch die Hydroidpolypen besiedelt.

Diese Polypen sind weiß und stehen aber als Einzelpolypen- für die Bestimmung der Tierart ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal. Diese Polypen wurden nun mittels Artemia salina gefüttert, so dass sie gut gedeihen konnten. Die am Ende dieser Polypen wachsenden Medusen sind Bestandteil des Lebenszyklus der Tiere.

Die Vermehrung des Polypen ist ungeschlechtlich, die Medusen sind dagegen auf eine geschlechtliche Vermehrung und Ausbreitung angewiesen. Dabei kommen auch zwittrige Arten vor, in der Regel sind sie aber getrennt geschlechtlich. Diese Lebensweise bietet den Tieren einige Vorteile. Die Polypen können ein Gebiet schnell besiedeln wenn die Nahrungsgrundlage stimmt, die Medusen können die Art verbreiten durch Schwimmen aber auch durch die Verdriftung durch die Strömungen. Wie auf dem Bild gut zu erkennen ist, wachsen die Medusen am Ende des Polypen heran. Die Polypen schnüren das Ende ihres Schlauchkörpers ab und die Meduse schwimmt nun frei.

  • Die Meduse

Der Anblick dieser Tiere ist faszinierend. Die frei schwimmenden Medusen haben etwa 3-4 mm Durchmesser, die Färbung bildet sich innerhalb weniger Stunden. Wie auf diesem Bild sehr schön zu sehen ist, sitzen diese Medusen mit dem Schirm nach unten auf dem Sandboden.

Warum ist das so? Im Körper dieser Tiere sind Zooxanthellen eingelagert, die für den Stoffwechsel der Medusen erforderlich sind. Um das zu optimieren legen sich die Tiere auf ein Substrat und befestigen sich mit ihrem Schirm. Die Zooxanthellen sind in der Epidermis der Tiere eingelagert.

Die zweite Ernährungsform ist die aktive Jagd auf Zooplankton, welches sie mit Hilfe ihres Nesselapparates fangen können. Somit ist ihre Lebensweise semisessil, für die Artbestimmung ein weiterer und wichtiger Hinweis. Die Medusen besitzen sehr differenzierte Körperzellen. Die bekanntesten sind die Nessel- und Klebezellen mit denen sie Beute machen. Einige dieser Zellen bilden sich erst während die Meduse wächst, auf dem unteren Bild links ist das gut zu erkennen.

Interessant sind die Nahaufnahmen der blauen Struktur im Schirm. Bild oberhalb rechts. Diese scheinen als eine Art Leitbahn zu fungieren, im Zentrum sieht man wie kleinere Partikel transportiert werden. Von der Struktur der Bildmitte, wo diese Zellen stark gekrümmt sind gehen die Schirmbewegungen der Meduse aus, da wird auch der Partikelstrom bewegt.

  • Die Bestimmung der Art

Leider ist mir als Laie eine Artbestimmung unmöglich. Eine Meduse dieser Lebensweise und sehr ähnlichem Aussehen aus der Gattung der Cassiopeia ist die Mangroven- Meduse Cassiopeia xamachana BIGELOW 1892. Sie kommt, so weit mir bekannt ist in der Karibik vor. Da der Stein mit den Polypen aber nicht von da kommt ist es schwierig diese Art zuzuordnen.
Die Ordnung der Rhizostomae (Wurzelmundquallen) ist mit den Fahnenquallen nahe verwand. Es fehlen die Tentakel am Schirmrand, die Mundtentakel sind zu Röhren verwachsen. Die Wurzelmundquallen sind damit zu einer filtrierenden Lebensweise übergegangen.

  • Quallen haben Feinde

Mein Wohnzimmeraquarium hat erstaunlicherweise keine Population dieser Art aufzuweisen. Diese Qualle wird, so vermute ich von meinem Kaiserfisch gefressen, ein Pomacanthus semicirculatus. Jedenfalls habe ich nach mehreren Wochen keins dieser Polypen und Medusen entdecken können. Auch in der Natur werden Quallen häufig von Schildkröten gefressen. Eine andere Art der Medusen wächst dort allerdings, doch ich empfinde sie nicht als störend. Und da sie nicht dominant ist, dulde ich sie.

Auch hier ist mir eine Artbestimmung dieser Cnidarien nicht möglich.

Sicher werden viele Aquarianer diese Tiere schon an ihren Scheiben beobachtet haben. Sie sind allerdings winzig im Vergleich zu den oben vorgestellten Medusen. Die Wurzelmundquallen können eine Größe von 100 cm erreichen. Somit sind diese Tiere eher wenig geeignet für eine Pflege zu Hause.

Quellen: Pierre Tardent Meeresbiologie, Thieme Verlag 1979
Erhard Moosleitner, Meerwasseratlas Band 2, Mergus Verlag 1995

Vielen Dank an Dietmar Schönfelder

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