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Mörderische Monogamie ein Bericht von Eva Obermüller science.ORF.at

Im Gegensatz zu vielen anderen Hermaphroditen lebt die Garnelenart Lysmata amboiensis in monogamen Paaren. Versuche, sie in größere Gruppen zu zwingen, enden für so manchen Rivalen tödlich - so lange bis die Zweisamkeit wiederhergestellt ist.

Die etwa sechs Zentimeter lange Weißbandputzergarnele Lysmata amboiensis ist ein protandrischer Hermaphrodit bzw. Folgezwitter. D.h. zu Beginn ihres Lebens sind alle Individuen männlich, erst wenn sie größer werden, entwickeln sie auch weibliche Fortpflanzungsorgane. Zur Befruchtung brauchen sie dennoch einen Partner; eine Garnele muss die männliche Rolle übernehmen, die andere die weibliche.

Wie bei anderen Tieren und beim Menschen ist die weibliche Fruchtbarkeit auf ein kleines Zeitfenster beschränkt, nämlich auf die ersten Stunden nach der Häutung. Als Männchen hingegen sind die Krebstiere rund um die Uhr zeugungsfähig, selbst wenn sie gerade Eier ausbrüten.

Nichtsdestotrotz haben sich Weißbandputzergarnelen für eine - im Tierreich recht seltene - monogame Lebensweise "entschieden". Dabei ist diese bekanntermaßen sehr anfällig für Betrug, denn Spermien brauchen weniger Energie als Eizellen und "Fremdgehen" kann den männlichen Fortpflanzungserfolg erhöhen. Andere verwandte Arten der Gattung Lysmata leben durchaus in kleineren oder größeren Sozialverbänden.

Putzen im Duett

Die monogam lebenden Krebstiere zählen zu den "Putzern". Sie arbeiten gewissermaßen für ihren Lebensunterhalt, d.h. sie fressen Parasiten und abgestorbene Haut von Fischen. Im Gegenzug für die Behandlung werden sie von ihren "Klienten" verschont.

Laut Janine W.Y. Wong von der Universität Basel und Nico K. Michiels von der Universität Tübingen spricht aus Sicht der Garnelen einiges für die Monogamie. Bei der paarweisen Lebensform gebe es keinen Konkurrenzkampf zwischen den Spermien unterschiedlicher Partner. Es müssen also nur ausreichend Samenzellen zur Befruchtung des Partners erzeugt werden, die restliche Energie steht dann für die Eier zur Verfügung. Außerdem ist der Partner permanent verfügbar und zu zweit lässt sich das Territorium besser verteidigen.

Die Putzergarnelen sind noch dazu sehr abhängig von ihren Kunden. Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass diese gut behandelt werden wollen. Fressen die Putzer nämlich anstatt der Parasiten von der Schleimschicht der Fische, teilen diese Stöße aus oder verjagen die Putzer; mit der Größe des Trupps steigt dieses Risiko.

Nächtliche Attacken

In ihrer Studie haben die Forscher nun untersucht, wie sich die Gruppengröße auf die soziale Stabilität und den Häutungszyklus der Tiere auswirkt. Dafür wurden die Garnelen jeweils einzeln, paarweise, zu dritt oder zu viert in Aquarien gesteckt. In den größeren Gruppen gab es also mehr mögliche Partner, aber auch mehr Konkurrenten. Um den Wettkampf möglichst gering zu halten, wurden gleich große Garnelen zusammengelegt und in allen Becken gab es mehr als genug Futter für alle.

Nach nur 42 Tagen stellten die Forscher fest, dass in den Dreier- und Vierergruppen ein bzw. zwei Tiere attackiert und getötet worden waren, danach war das Sterben vorbei. Zumindest so lang das Experiment lief, blieben alle Paare und auch die Einzelgänger wohlauf. Die Opfer waren immer nachts umgekommen, kurz nachdem sie sich gehäutet hatten und daher besonders verwundbar waren. Laut den Forschern der einzige Zeitpunkt, an dem gleich große und starke Individuen einander überhaupt umbringen können.

Generell war die Anzahl der Häutungen in den größeren Gruppen deutlich geringer, womit die Wissenschaftler als Folge des Stresses auch gerechnet hatten. Außerdem sei das Risiko, die Nacht nicht zu überleben, in diesem Zustand eben deutlich höher.

Monogamie sichert "Arbeitsplatz"

Der Hauptgrund für das für Hermaphroditen untypische Paarleben ist den Forschern zufolge die symbiotische Lebensweise. Zu viele Garnelen könnten die Kooperation mit dem Kunden gefährden. Die Elimination überzähliger Tiere sei offensichtlich eine typische Verhaltensweise von Lysmata amboiensis, denn eigentlich wäre diese im Aquarium angesichts der mehr als reichlich vorhandenen Nahrung gar nicht nötig gewesen.

In der freien Wildbahn würde dieser Instinkt allerdings weniger stark zu Tage treten als auf derartig engem Raum. Vermutlich halten die Tiere dort lieber einen angemessenen Sicherheitsabstand zu etablierten Paaren.

Eva Obermüller, science.ORF.at

Tödlicher Kampf im Aquarium - Lysmata amboinensis ein Killer? Ein Bericht auf Korallenriff.de

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