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Basics zur Phytoplanktonkultur © Text und Bilder von Angelika Wolfrum Nanoriffundmeer.de

Nachdem ich immer wieder gefragt werde, wie man erfolgreich Phytoplankton kultiviert, möchte ich hier einen kleinen Bericht vorstellen, der dem interessierten Leser in Wort und Bild Basiswissen zur Phytozucht vermittelt.

Am Ende des Berichts sollte jeder in der Lage sein, anspruchslosere Mikroalgen unter Hobbybedingungen zu züchten.

Phyto ist nicht gleich Phyto

Mir fällt immer wieder auf, dass in den Foren "Phyto" als Synonym für Nannochloropsis salina oder eine undefinierbare Cyanoalgenmischung verwendet wird. Dabei gibt es viele für unsere aquaristischen Verhältnisse geeigneten Algenarten. Jede für sich hat dabei ein anderes charakeristisches Aussehen bzw. Farbton, jede einen anderen für sie völlig typischen Geruch, jede verhält sich anders, hat andere Stärken und Schwächen. Sogar verschiedene Stämme ein und der selben Art verhalten sich oft anders..

Am Anfang steht die Starterkultur
Mit der Qualität der Starterkultur steht und fällt die künftige Zucht. Das Bild zeigt eine Starterkultur von Rhodomonas lens mit der maximal erreichbaren Zelldichte von 4 Mio Zellen per ml. Diese Zelldichte kann nur unter Laborbedingungen unter Einsatz von Kohlensäure erreicht werden.

 



Equipment für die Algenzucht

Entgegen landläufiger Meinung benötigt man nicht unbedingt teuere Reaktoren für die Algenzucht. Für den Anfang tun es auch 5 Liter Pet-Flaschen aus dem Supermarkt (nur die mit Mineralwasser, keine Saft- oder Limoflaschen nehmen) - auch wenn diese etwas schwerer zu handeln und zu reinigen sind als professionelle geschlossene Reaktoren oder Beutel-Systeme. In den Deckel wird ein 6 mm Loch gebohrt, das dann ein Luftrohr mit aufgesetztem Luftschlauch aufnimmt. Das hat den Vorteil, das keine Verschmutzungen in die Kultur kommen können und die Belüftung verhindert relativ gut das Absetzen der Algen auf dem Flaschenboden bzw. das Anwachsen an den Flaschenwänden. Eine in die Luftschläuche eingebastelte Filmdose mit Watte ist als profisorischer Luftfilter geeignet oder gleich entspr. professionelle Luftfilter vorschalten.

Phyto in offenen Behältern wie zb kleinen Aquarien zu vermehren, ist äußerst ungünstig, da leicht Zooplankton wie Brachionus, Ciliaten, Bakterien und Staub eingebracht werden. Solch ungeeignete Methoden funktionieren allenthalben bei Nanno oder undefinierbarem Algen-Cyano-Mix.



Beleuchtung

Zur Beleuchtung eignen sich zB. Röhren mit kühl-weißem Licht und einer Beleuchtungsstärke von ca. 1 x 40 bis 2 x 40 Watt mit einem Schaltryhtmus von 14 bis 18 Std Belichtung am Tag.

Bei den von mir verwendeten und am Boden liegenden Röhren stelle ich die Phytobehälter in einem maximalen Abstand von 5 cm zur Lichtquelle auf. So kann ich mit einer einzigen Röhre bis zu 10 fünf-Liter-Kulturen parallel pflegen.

Aber selbstverständlich kann man auch einen ausgedienten HQI-Strahler über den Kulturbehältern installieren, nur muss dann der Abstand wegen der Wärmeentwicklung größer sein, da viele Phytoarten auf höhere Temperaturen mit Stress oder gar Absterben reagieren. Doch darauf komme ich später nochmals zurück.



Nährmedien

Für die meisten Arten eignen sich standardisierte sogenannte f/2 Medien (sprich: EF halbe) ganz gut, obwohl von Wissenschaftlern für fast jede Alge eigne optimierte Nährmedien entwickelt wurden. Letztere sind aber sehr teuer in Herstellung und Beschaffung.

Für den Aquaristikmarkt werden deshalb in der Regel günstige, aber dennoch einigermaßen brauchbare Nährsalze oder auch fertig angemischte Medien angeboten. Oft enthalten diese jedoch keine Vitaminmischungen, wie sie von anspruchsvolleren Arten langfristig benötigt werden. Und selbst wenn die Vitamine enthalten sind, sind diese nach gewisser Lagerung nicht mehr aktiv und für die Algen verfügbar. Trotzdem lassen sich mit den meisten am Aquaristikmarkt erhältlichen Nährmedien über eine längere Zeitspanne anständige Ergebnisse bei den Algenkulturen erzielen. Für Hobbyzüchter und Semiprofessionelle, die über keine Laboreinrichtung und sonstiges Equipment wie Air-Filtereinheiten verfügen, ist es eh sinnvoll, in gewissen Abständen (meist nach ein paar Monaten) mit jeder Phytoart neu zu starten, um die Kulturen auf höchstmöglichem Reinheitsniveau zu halten.

Die unter Aquarianern am verbreitesten Nährmedien sind zB. Phytostabil, Cell-Hi oder f/2 Fritz. Mehrere Internethändler bieten auch Eigenentwicklungen bzw. Hausmarken an.

Diese müssen exakt nach Anleitung angemischt, verwendet und auch gelagert werden! Nur zu oft ist ein Scheitern der Phytozucht auf ungenaue Dosierungen zurück zu führen.

Gute Nährmedien sind stets so entwickelt, dass sie am Ende der Kulturphase einer Algenart restlos aufgebraucht sind und keinerlei Rückstände in der zu verfütternden Kultur hinterlassen.

Schon alleine wegen der Gefahr unerwünschte Rückstände mit den Futteralgen in die Zooplankterkultur oder gar in ein Aufzuchtbecken einzubringen, empfiehlt es sich nur auf bewährte Medien zurück zu greifen. Von der Verwendung von Blumendünger rate ich auf jeden Fall ab.

Ansatz einer frischen Kultur

Da viele hochwertige Microalgen sehr negativ auf Lichtentzug reagieren, ist es wichtig solche Arten wie Rhodomonas sp. schnellstmöglich - am besten am Ankunftstag - in Kultur zu bringen. Einige Arten wie Nannochloropsis oder Chaetoceros tolerieren aber auch eine kühle Lagerung von bis zu einigen Monaten.

USA Importe werden immer mit ICEpacks versandt, da sie aus der sehr warmen Gegend Floridas kommen. Diese Kulturen müssen erst sachte auf Zimmertemperatur gebracht werden und dürfen keineswegs so gekühlt sofort in das gut temperierte Kulturwasser geschüttet werden. Wichtig ist auch das das vorbereitete Kulturwasser die selbe Salinität wie die neue Kultur hat.

Die meisten aquaristisch verwendeteten marinen Algen werden bei 32 ppm gehalten. Eine Ausnahme bildet Dunaliella salina, die manchmal in bis zu über 100 ppm kultiviert wird.

Also sind folgd. Vorbereitungen notwendig:

1. Seewasser auf 32 ppm einstellen. Dabei auf höchste Sauberkeit achten! Hände mit medizinischem Alkohol waschen und auch Gerätschaften wie Trichter etc vorher desinfizieren. Während man für einige Algenarten wie Nanno oder auch die meisten Kieselalgen oft sogar Leitungswasser ansetzen kann, sollte für anspruchsvolle Algen immer nur mit keimfreien Wasser gearbeitet werden (Autoklav oder Mikrowelle).
2. Nährmedium entspr. zugeben und durch kräftiges Durchschütteln gut mit dem Kulturwasser vermischen.
3. Starterkultur zufügen und die Kultur an die Belüftung anschliessen.

Die Kulturen werden nun jeden Tag etwas dichter und dunkler. Sobald die Kultur ihren Höhepunkt erreicht hat und nicht mehr dunkler wird, die Algen teilen und wieder neu ansetzen. Bei manchen Phytoarten kann es notwendig sein, die Stammkultur erst über 25 bis 40 my Gaze abzusieben, um Satz und andere Verunreinigungen zu entfernen.

Leider vertragen besonders hochwertige Phytoarten keinerlei Fremddruck. Eingeschleppte Ciliaten und andere Zooplankter bedeuten in der Regel genauso das Aus für eine Kultur wie auch bakterielle Trübungen. Deshalb empfehle ich von allen Phytoarten wenigstens 2 Kulturen anzulegen, bei besonders hochwertigen Algen sogar noch mehr.

So kann man immer die gesündeste Kultur für die Weitervermehrung und Neuansätze verwenden. Kulturen, die bakterielle Trübungen aufweisen, sondert man am besten umgehend aus und entsorgt diese. Andere Kulturen, die zwar noch gut stehen, aber sich nicht mehr so gut vermehren, nimmt man zum Verfüttern aus der Anlage.

Das erste Bild zeigt unterschiedlich alte Rhodmonas lens Kulturen. Man beachte besonders, dass auch der jüngere Ansatz trotzdem den selben Farbton aufweist wie die beiden älteren. Dieser Farbton ist wie weiter vorne beschrieben charakteristisch für jeden Algenstrain und wird mit zunehmender Kulmination dunkler und intensiver.



Das zweite Bild zeigt links eine Chaetoceros gracilis und rechts eine Rhodomonas baltica, deren Kulturen ca 3 Tage alt sind.



Das dritte Bild zeigt eine Rhomonas baltica ca 2 Tage VOR ihrem Höhepunkt und somit Erntezeitpunkt. Sie wird also noch etwas an Farbe und Dichte zunehmen.



Das vierte Bild zweigt 2 Kieselalgen mit gleicher Standzeit. Während die linke Kultur noch sehr agil ist und ihren Kulturhöhepunkt erreicht hat, sortiere ich die nicht mehr so agile rechte Kultur aus und verfüttere sie.



Vorstellung einiger Phytoarten

Nannochloropsis salina
Vorteil: wohl die am leichtesten zu pflegende Art. Geeignet für Greenwatertechnik. Hoher EPA Gehalt. Sehr kleine Zellen.
Nachteil: so durchsetzungsstark, das man leicht andere Kulturen damit infiziert. Verdrängt in einer Mischung langfristig immer alle anderen Algen. Die meisten Zooplankter können mit Nanno alleine nicht vermehrt werden.
Farbe: tiefgrün

Nannochloropsis oculata
wie salina, doch etwas wertvoller. Muscheln und sonstige Filtrierer profitieren von ihr. Gut geeignet für Rotiferenzucht.

Phaeodacylum tricornotum
Vorteil: anfängerfreundliche Kieselalge. leicht zu kultivieren. begnügt sich mit Leitungswasser, wenn dort geringe Mengen Kieselsäure enthalten sind. gute Nähralge für Copepodenkulturen und ältere Artemien.
Nachteil: hat wie alle Kieselalgen ein Problem mit höheren Temperaturen und kann bereits bei über 24 Grad Celsius kolabieren. Dafür überlebt sie sogar Süßwasser kurzfristig. Brackwasserkultur möglich. Produziert viel Dreck und muss regelmäßig über feine Gaze gereinigt werden. Ist so durchsetzungsstark, dass man sehr leicht andere Kulturen infiziert.
Farbe: tiefbraun

Thallasiosira weissflogii
Vorteil: einer der besten Futteralgen unter den Kieselalgen.
Nachteil: anfällig für bakterielle Trübungen. Nicht ganz einfach in der Kultur.
Farbe: gelbbraun

Chaetoceros gracilis
Vorteil: gute Futter-Kieselalge, relativ kleine Zellen, kann auch schon jüngeren Copepoden und Copepoditen als Nährquelle dienen
Nachteil: *fällt mir jetzt keiner ein* l

Chaetoceros calcitrans
erwähne ich nur deshalb, weil ihr Wissenschaftler eine vibrionenhemmende Eigenschaft zugeschrieben haben. Hatte ich leider noch nicht persönlich in Kultur (werde ich aber nachholen)

T-Isochrysis
Vorteil: hochwertiger Flagellat mit hohem DHA Gehalt
Nachteil: etwas schwieriger in der Kultur. am besten in Keller-Medium halten
Farbe: goldbraun Geruch: sehr intensiv nach Trüffel (also Knoblauch mit Weißkraut)

Tetraselmis sp.
Vorteil: desinfizierende Eigenschaften, kann für Greenwater-Technik eingesetzt werden. gut als Zusatz im Futteralgenmix für Zooplankterkulturen
Farbe frisch grün

Rhodomonas baltica, salina und lens
Vorteil: die Superlativen unter den Futteralgen. Hoher DHA Gehalt. Hat keine harte Zellwand wie andere Algen, kann deshalb selbst von Artemianauplien problemlos verdaut werden.
Nachteil: nicht Anfänger geeignet. eine der schwierigsten Arten in der Kultur. erduldet weder schnelle Änderungen des Umgebungsmileus, noch irgendeinen Konkurrenzdruck, noch zu starke Belüftung, noch zu hohen PH Wert noch längeren Lichtentzug. Besonders Rh. lens straft jeglichen noch so kleinen Fehler im Handling mit einem Farbumschlag von tiefrot auf grün - also mit Absterben. Nanoriffundmeer läßt die Auslöser für diesen Grünstress aktuell (April 2011) näher wissenschaftlich untersuchen.
Farbe: tiefrot Geruch je nach Art: fruchtig, nach Himbeeren oder Kirschen.

Dunaliella salina
Vorteil: kann unter extrem salzigen Bedingungen bis weit über 100 ppm gehalten werden, was das Einschleppen von Zooplanktern verhindert, macht sie aber zu einer durchaus passablen Futteralge für Artemien. Auch bestimmte Dinos profitieren von ihr. Enthält unmengen Carotinoide. Ist in unseren Breitengrades leider immer grün und bildet die typisch orangerote Farbe (und somit wirklich große Mengen der über 40 verschiedenen Carotinoide) nur unter den extremen Sonnenlichtbedingungen in Australien aus.

Synecchiococcus
Vorteil dieser grünen Cyanoalge ist die lange Standzeit, sie ist kaum umzubringen, setzt sich kaum ab, hoher EPA Gehalt, kann für Greenwater Technik verwendet werden. Und man kann damit sogar Tiggerpods backups ansetzen und braucht dann monatelang nicht zu füttern (was heisst: tiggerpods sterben nicht ab, vermehren sich aber auch nicht massenweise)
Nachteil wie alle super leicht zu haltenden Algen: man infiziert sich schnell hochwertigere Algenkulturen. Ich selbst kultiviere diese grüne Cyano deshalb seit Jahren nicht mehr.

Ich sage "Vielen Dank" an Angelika Wolfrum (Angi), die es mir erlaubt hat diesen Bericht auf meine HP zu stellen.

© 2009 – 2013, Harald Ebert, Alle Rechte vorbehalten.

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