Das Gorgonien-Lexikon ist eine deutschsprachige Datenbank über mein Interessensgebiet den Gorgonien, einem Teilgebiet der Meerwasseraquaristik. Dieses Lexikon wurde geschaffen, um zusätzliche Haltungshinweise - auch multimedial - den vielen Gorgonien zuzuordnen. Schon jetzt erhebt dieses Lexikon den Anspruch bei ausgesuchten Gorgonien Arten das umfassendste deutsche zentrale Nachschlagewerk zu sein. Das Lexikon ist aber auch ein Portal für alle Meerwasseraquarianer im Allgemeinen.

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Salzwiesen der Insel Poel - Text und Bilder © Dietmar Schönfelder

Am Rand einer Salzwiese der Insel Poel

Lange habe ich auf die Besichtigung einer Salzwiese warten müssen, 2011 war es dann soweit. Unter der Führung des Biologen Dr. Thomas Schaarschmidt wurde das endlich einmal möglich. Um es vorweg zu nehmen, die Salzwiesen sind ein geschützter Bereich, zu dem man nicht so ohne weiteres Zutritt hat. Zu empfindlich sind diese Gebiete, schnell zerstört durch unbedachte touristische Aktionen. Dabei geht es nicht nur um den Küstenschutz sondern um die Empfindlichkeit der diese Bereiche besiedelnden Tiere und Pflanzen, die solche Störungen nicht vertragen würden. Es sind außergewöhnliche Pflanzen zu finden, deren Leistungen bei der Anpassung an ihre Umwelt bemerkenswert sind und auch die Tiere müssen mit Bedingungen zurechtkommen, die eine große Artenvielfalt nicht zulässt und bisweilen extreme Toleranzen an die Umweltbedingungen voraussetzen. Die Menschen nutzen diese Gebiete seit alters her, wenn diese Aktivitäten unterbleiben würden, käme es sehr schnell zu irreparablen Veränderungen dieser Biotope, die durch die Formen der extensiven Landwirtschaft in Jahrhunderten entstanden.

Was charakterisiert eine Salzwiese?

Pflanzen dieses Milieus ertragen eine hohe Konzentration an Salz, die sie mit dem Wasser aufnehmen. Sie müssen zudem einige Zeit einer Überflutung überstehen können, das gelegentliche Trockenfallen und große Temperaturgradienten sind zu tolerieren, einige Zeit unter Licht armen Bedingungen überstehen und sie müssen in der Lage sein, Eis und Schnee zu ertragen.

Läuft man über die Salzwiese, bemerkt man den morastigen Untergrund und die Torfbildung einiger höher gelegenen Stellen, unterbrochen von kleinen Sielen mit fein schlickigem Grund, der von einigen Zentimetern Wasser bedeckt ist. 

Gleich zu Beginn fällt die eigenartig anmutende Pflanzenwelt auf, die sich mitunter erst bei genauerem Hinsehen als reizvolle Exemplare erweisen, obwohl einige besonders schön blühende Blumen zu finden sind. Wohin man auch schaut, die unbekannte Welt wartet mit Sehenswürdigkeiten auf, wie man sie nur in der Wismarbucht in dieser Fülle findet. Deutlich fallen eine gewisse Zonierung und Pflanzengemeinschaften auf, die sich in Abhängigkeit von der Beweidung und Zugang zum Salzwasser  etablieren.
Viele dieser Pflanzen sind bekannt für den menschlichen Verzehr und auch für die eine oder andere Wirkung auf das menschliche Wohlbefinden.  Aber viel mehr sind sie in ihrer Funktion als Pionierpflanzen und Heimat für Tiere von höchster Bedeutung. Auch als bestes Weideland mit besonders hochwertigem Futter haben sie herausragende Bedeutung. Eine ständige Beweidung wird allerdings nicht von allen Pflanzen vertragen, andererseits sorgt die Beweidung für die Bewahrung vieler Pflanzengemeinschaften.
Zu diesen Pionieren zählt eine Pflanze, deren Habitus wenig spektakulär ist- dennoch gehört sie zu den wichtigsten Zeigeorganismen dieser Bereiche – der Queller.  Es war gar nicht so einfach ihn an diesem Tag zu finden, obwohl ihn seine rötlichen Fruchtstände in dem vielen umgebenden Grün der Gräser und Kräuter  deutlich abheben. Tatsächlich konnte ich nur wenige dieser bemerkenswerten Pflanze sehen.  Der Queller bevorzugt die Wassernähe und schlickige, torfige Bereiche. Auf reinem Sandboden ist dagegen die Salzschuppenmiere zu finden, die in den nassesten Bereichen und Wassernähe zu finden ist.  Beide Pflanzen sind auf dem nachstehenden Bild zu sehen.

In der Wismarbucht sind durch das Land MV 102 Pflanzenarten beschrieben, die stark gefährdet sind oder auf der Roten Liste stehen und als verschollen gelten. Dabei sind allerdings nicht nur Pflanzen gelistet, die zu den Salzpflanzen gezählt werden aber zu den beständigen Vorkommen der Küstenlandschaft der Wismarbucht gehören
Sehr auffällig sind blühende Pflanzen wie der Strandbeifuß. Diese Pflanzen bevorzugen durchlüftete und höher gelegene Bereiche. Diese Pflanze verbreitet sich flächendeckend bei fehlender Weidewirtschaft sehr schnell. Auch die Strandastern sind auffällige Pflanzen, oft findet man beide zusammen an einem Standort.

Sehr schön blüht auch der Strandflieder, die der Salzwiese dezente Farbtupfer geben.

Viele Kräuter blühen zur Herbstzeit und prägen das Aussehen der Landschaft. 

Faszinierend sind die vielen salzliebenden Wegerich Arten, die hier vorkommen.

Dr. Schaarschmitdt zeigte aber auch die unscheinbaren Pflanzen, die Besonderheiten in den Salzwiesen sind wie Löffelkräuter und weitere Salzpflanzen.

Mir hat der Spaziergang durch die Salzwiesen sehr viel Freude gemacht, auch wenn viele Pflanzen nicht gefunden werden konnten.

Wenn Sie mehr in Erfahrung zu dieser wunderschönen Tier- und Pflanzenwelt bringen möchten, empfehle ich Ihnen die Ausgabe Band 13 von Meer und Museum, einer sehr ausführlichen und lesenswerten Lektüre „Die Wismarbucht und das Salzhaff“ aus der Schriftenreihe des Deutschen Museums für Meereskunde und Fischerei.

September 2012 wird wieder eine Ostsee Exkursion auf die Insel Poel stattfinden, zu der ich Sie gern einlade, teilzunehmen. An einem Wochenende finden viele Aktivitäten statt, die sich mit den Pflanzen und Tieren unserer heimischen Küsten befassen. Informationen dazu werden rechtzeitig auf der Homepage der Fachgruppe Meeresbiologie bekanntgegeben.

Mit freundlichen Grüßen

D. Schönfelder
Fachgruppe Meeresbiologie Berlin

www.fg-meeresbiologie.de

Vielen Dank an Dietmar für diesen wirklich sehr lehrreichen Bericht über die Salzwiesen der Ostseeinsel Poel.

© 2009 – 2013, Harald Ebert, Alle Rechte vorbehalten.

 

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