Das Gorgonien-Lexikon ist eine deutschsprachige Datenbank über mein Interessensgebiet den Gorgonien, einem Teilgebiet der Meerwasseraquaristik. Dieses Lexikon wurde geschaffen, um zusätzliche Haltungshinweise - auch multimedial - den vielen Gorgonien zuzuordnen. Schon jetzt erhebt dieses Lexikon den Anspruch bei ausgesuchten Gorgonien Arten das umfassendste deutsche zentrale Nachschlagewerk zu sein. Das Lexikon ist aber auch ein Portal für alle Meerwasseraquarianer im Allgemeinen.

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Seegraswiesen & Seegräser – wichtiger Naturverbund der Meeresbiologie © Text und Bilder Falk Hummel & Franz Penn aquascape-guru.de
 

Seegraswiesen sind Grundlage für Flora und Fauna des Meeres aber auch wichtig für das Leben an Land.

Wasserpflanzen stehen in der Nahrungskette des Meeres an erster Stelle. Somit lässt sich schnell die Aussage treffen, dass diese als Grundlage allen Lebens dienen. Im speziellen betrachten wir Seegräser bzw. den Lebensraum "Seegraswiese", sozusagen die Primärproduzenten, welche Wasser, Kohlenstoffdioxid und gelöste Mineralstoffe mit Hilfe von Sonnenlicht (Engerie / Photosynthese) in organische Materie umwandeln. Seegräser sind also die Nahrungsgrundlage für zahlreiche Kleinstlebewesen aber auch größere Exemplare der Unterwasserwelt. Allgemein gesagt sind sie die Grundlage des weitläufigen Nahrungsnetzes im Meer, indem alle lebenden Organismen, buchstäblich wie ein Fisch im Netz, im Naturverbund "gefangen" sind.



Bild 1 oben, zeigt eine Grüne Höhlengrundel (Amblygobius albimaculatus) perfekt an das Leben in der Seegraswiese angepasst

Zu Beginn stellt sich die Frage: Was ist Seegras?!

Seegräser sind vergleichbar mit unseren Landpflanzen - vereinfacht dargestellt wie Gras, dass bei uns im Garten wächst, welches sich im Laufe der Evolution an den marinen Lebensraum unter Wasser angepasst hat. Besonderes Merkmal sind die Wurzeln sowie das Leitungsgewebe und die Fortpflanzungsorgane - die im Vergleich zu Tangen und anderen Algenarten spezifisch angepasst sind. Während sich Algen nur oberflächlich am Meeresboden anhaften, dienen die speziell angepassten Wurzeln der Seegräser zur festen Verankerung im Sediment, als auch zur Aufnahme von wichtigen Mineral- und Nährstoffen, welche anschließend, wie oben erwähnt, über ein Leitungsgewebe (Gefäßsystem) in der ganzen Pflanze verteilt werden. Im Gegensatz zu Algen, welche Sporen freisetzen, bilden viele Seegrasarten zur Fortpflanzung Rhizome, also Ausläufer die wiederum Wurzeln und Triebe bilden. In tropischen Gewässern findet man hauptsächlich die Arten Thalassia testudinum (Schildkrötengras) und Syringodium filiforme.

Bild 2 oben, zeigt eine Seegraswiese mit Schildkrötengras (Thalassia testudinum)

Seegrasgewächse benötigen viel Licht, demzufolge sind sie vermehrt in der sogenannten Tageslicht- oder Gezeitenzone in flachen Küstengewässern anzutreffen. Vorallem in geschützen Regionen mit viel Sedimentablagerung wie z.B. Flussmündungen, Meeresbuchten, Mangrovenwäldern und Korallenriffen, da sie jede Menge weiche Materie wie Schlick und Sand zum Wurzeln benötigen. Sozusagen das stetig anhaltende Zusammenspiel zwischen Sedimentablagerungen und neu entstehenden Wurzeln der Gräser, die den Untergrund fixieren und stabilisieren, förmlich "festhalten", lässt einen neuen und durchaus bedeutsamen Lebensraum entstehen - die Seegraswiese.

Bild 3 oben, zeigt einen Zigarren-Lippfisch (Cheilio inermis) in der lichtdurchfluteten Seegraswiese

Angefangen vom Wurzelwerk bishin zu den Blattspitzen, wo sich meist epyphytische (auf den Blätter wachsenden) Algen bilden, dient die Seegraswiese vielen Kleinstlebewesen, Weichtieren, Wirbellosen aber auch größeren Fischen als Heimat, als sicher Schutz vor Räubern, als Laichplatz, zur Fortpflanzung oder schlicht weg als Kinderstube.

Bild 4 oben, zeigt einen juvenilen Pharao-Sepia (Sepia pharaonis) der die Seegraswiese als "Kinderstube" nutzt

Hier ein kleiner Auszug verschiedener Arten, die ebenfalls in der Seegraswiese beheimatet sind:

Stachelhäuter (Echinodermata), Schnecken, Muscheln (Mollusca), Schlangensterne (Ophiuroidea), Seeigel (Echinoidea), Schwämme (Porifera, Spongiaria), Seesterne (Asteroidea), Krebse (Crustacea), Grundeln (Gobiidae), kleine Kraken (Octopodidae) und Sepien (Sepiidae) juvenile Skorpionsfische (Scorpaenidae) und Schlangenaale (Ophichthidae).

Bild 5 oben, zeigt eine Gewöhnliche Spinnenschnecke (Lambis lambis) zwischen Seegras



Bild 6 oben, zeigt einen juvenilen Strahlen-Feuerfisch (Pterois radiata) der sich hinter Seegras versteckt

Desweiteren dient die Seegraswiese vielen Species als Nahrungs- und Futterquelle. Reine Pflanzenfresser (Herbivore) wie Meeresschildkröten (Cheloniidae) und Dugongs (Dugongidae) kommen daher regelmäßig zum Abweiden der üppig bewachsenen Grünflächen. Aber auch nicht typische Seegras-Bewohner wie Stechrochen z.B. der Blaupunktrochen (Taeniura lymma) nutzen ab und an das Seegras-Biotop als potentiellen Nahrungsspender. Schön zu beobachten, wie diese Tiere durch ständiges "durchfiltern"  bzw. heftiges "durchwühlen" des Bodengrundes nach Futter suchen.

Bild 7 oben, zeigt einen Blaupunktrochen auf Futtersuche am Rand der Seegraswiese

Neben den zahlreichen Meeresbewohnern die vom Seegras-Bestand profitieren, macht sich auch die Flora und Fauna der jeweiligen Küstenregion einen großen Nutzen daraus. Seegraswiesen fördern das ablagern von Sediment, auf dem wiederum neues Leben außerhalb des Wassers entstehen kann. Als schönes Beispiel dienen hier Mangroven, die eben genau an jenen Plätzen vermehrt vorkommen, wo auch weitläufige Seegraswiesen existieren.

Bild 8 oben, zeigt einen Küstenreiher (Egretta gularis) auf Futtersuche im Flachwasser zwischen Mangrovenwald an Land und dem Lebensraum "Seegraswiese" im Wasser

Seegräser und Seegraswiesen stehen somit nicht nur im Naturverbund der Meeresbiologie sondern sind Teil des gesamten Ökosystems unseres Planeten. Ein Grund mehr, solche Habitate als Naturschutzgebiete auszuweisen und vor übermäßigen Eingriff durch den Menschen zu schützen!

Vielen lieben Dank an Falk Hummel & Franz Penn

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