Das Gorgonien-Lexikon ist eine deutschsprachige Datenbank über mein Interessensgebiet den Gorgonien, einem Teilgebiet der Meerwasseraquaristik. Dieses Lexikon wurde geschaffen, um zusätzliche Haltungshinweise - auch multimedial - den vielen Gorgonien zuzuordnen. Schon jetzt erhebt dieses Lexikon den Anspruch bei ausgesuchten Gorgonien Arten das umfassendste deutsche zentrale Nachschlagewerk zu sein. Das Lexikon ist aber auch ein Portal für alle Meerwasseraquarianer im Allgemeinen.

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Sicher Brachionus kultivieren Text und Bilder © Brigitte Utz und Ruedi Furter SwissAquaristik

Kultivierung von Zooplankton

Brachionus sind eine Grundlage zur erfolgreichen Zucht mariner Tiere. In dieser Anleitung erläuteren wir, wie man auf sichere und einfache Art zu dichten Brachionuskulturen kommen kann. Das ganze jedoch ohne Phytoplankton. Dies vereinfacht die ganze Zucht erheblich.

Im Speziellen die Brachionus sind der Schlüssel zur erfolgreichen Nachzucht  von Meerwassertieren. Was aber leider nicht heissen soll, dass wir nun in der Lage sind alle möglichen Meerwassertiere züchten zu können, denn für manche Larven sind selbst diese Winzlinge noch zu gross oder sie passen nicht ihr Nahrungsschema. Wir sind aber überzeugt, dass selbst nur mit verschieden angereicherten Brachionus noch einiges möglich sein wird. Das ist der grosse Vorteil der Brachionus, dass sie sich füllen lassen wie Kartoffelsäcke. Es wird alles, was die richtige Grösse hat mit den Wimpern in den Schlund gefächert. Es geht in diesem Bericht nicht um die Biologie der Brachionus, wichtig für uns ist lediglich das Vorgehen bei der Kultivierung.

Aus der grossen Anzahl der verschiedenen Brachionusarten, übrigens sind’s Rädertierchen oder auch Rotifer genannt, sind folgende 3 Arten die meist genannten in unseren Kreisen. Der Hauptunterschied für uns liegt hauptsächlich in der Grösse.

Brachionus plicatilis, 200-300 μm Brachionus ibericus, 140-180 μm Brachionus rotundiformis, 80-120 μm
     
Die ausgewachsenen Brachionus tragen jeweils 1-4 Eier an ihrem Hinterteil, aus welchen jeweils ein fertig ausgebildetes Junges schlüpft. Hier konnten wir zufälligerweise einen solchen Schlupf beobachten. Es dauerte über mehrere Minuten, bis sich das Junge vollständig aus der Schale befreit hatte.

Der Einfluss der Salinität auf die Grösse

Dass man mit der Salinität auf die Grösse der Brachionus Einfluss nehmen kann mag stimmen, mehr als +/-10% konnten wir aber nie nachvollziehen und so ist es schon anzustreben, dass man die B. rotundiformis bekommen kann. Je nach Fischlarvengrösse sind nämlich die B. rotundiformis noch zu gross. Für Amphiprion ocellaris und A. percula scheinen sie aber ideal zu sein.

Eine interessante Beobachtung haben wir bezüglich der Salinität vor kurzem gemacht:

Immer auf der Suche nach neuen Planktonarten, die möglicherweise zu kultivieren sind, haben wir uns aus der Ostsee zwei Liter Wasser schicken lassen. Dieses Wasser hatte zu unserem erstaunen gerade einmal die halbe Salinität als wir es gewohnt sind.

Ohne Aufsalzung setzte ich das Wasser in einem Reaktor an und von Zeit zu Zeit wurde das Wasser auf mögliches Plankton untersucht. Um es kurz zu machen, wir haben nichts wirklich interessantes gefunden, doch auf einmal hatte es Brachionus und dies bei solch niedrigem Salzgehalt. Die Grösse war nicht wirklich anders als bei unseren „normal“ gehaltenen.

Allgemeines

Je nach Absicht, wie viel Tiere nachgezogen werden sollen, sind mehr oder weniger Kulturgefässe nötig. Zur Versorgung eines Schlupfes Ocellaris genügen etwa 30 Liter einer guten Brachionus-Kultur. Am besten in zwei Gefässe aufgeteilt.

Wenn aber nach zehn Tagen schon wieder der nächste Schlupf ernährt werden soll kann es sehr schnell knapp werden. Zudem kann es jederzeit passieren, dass die Kultur "abstürzt" und schon steht man ohne Brachionus da. Deshalb sind mindestens drei Kulturen im Wechsel betrieben keine übertriebene Sicherheit. Es ist auch zu empfehlen, besser mehrere, aber dafür kleinere Kulturgefässe zu verwenden. Die sind auch besser händelbar, was bei der Reinigung klar von Vorteil ist.

Ich begann z.B. mit drei 45-Literbecken (Bild links) und habe nun schon vor einiger Zeit auf solche Säulenreaktoren (Bild rechts) mit je ca. 15 Liter gewechselt. Der Vorteil ist, dass eine viel kleinere Bodenfläche zu reinigen ist, was einerseits den Aufwand minimiert und anderseits zu weniger Verlusten an Brachionus führt.

Zur Zeit sind 7 Stück mit Brachionuskulturen am laufen, also etwa 95 Liter.

Ausrüstung

Eines der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände ist der Planktonfilter, wie man einfachst ein 60 μm-Gewebe aufspannt. Die Larvenverluste sind einfach gewaltig, wenn man gezwungen wäre das Kulturwasser mit in das Larven-Aufzuchtbecken zu geben.

   
  
Weiter noch einen Messbecher mit Messlöffel, Bodenabsauger und zu guter letzt ist man auf ein brauchbares Mikroskop schon fast angewiesen. Denn es ist uns auch schon passiert, dass wir dachten die Brachionusdichte sei wunderbar und wenn man dann reinschaut findet man nur Paramecien, Euplotes und viel Schwebeteile. Von Auge und ohne Übung ist dies nämlich fast nicht zu unterscheiden. 

Nähr- und Anreicherungsmittel

Nun braucht es natürlich auch geeignete Mittelchen als Ersatz zum Phytoplankton. Wir verwenden die Selco-Produkte von Inve, mit welchen wir bisher gute Erfahrungen gemacht haben.

 
 Selco ® S.parkle  Protein Selco Plus   Easy Super Selco und andere....

Die Kultivierung

Zuerst muss man natürlich von irgendwoher einen Ansatz Brachionus bekommen. Ein guter Ansatz hat etwa 60-80'000 Brachionus pro Liter. Typischerweise ersteht man einen Liter Ansatz, welcher dann zum Start  mit ca. 2 Liter frischem Salzwasser verdünnt angesetzt wird.

Zur Fütterung werden nun ca. 1ml Selco ® S.parkle in 10 ml handwarmem Wasser verquirlt. Dies lässt man ca. 4 Minuten ziehen und gibt davon 0,5 ml in den Reaktor. Der Rest der Emulsion kann für 3-4 Tage im Kühlschrank zur späteren Verwendung aufbewahrt werden. Und hier noch  im Bild:

 

 Vor der Dosierung (links) der Dosierung ist der Ansatz milchig trübe, so dass man noch ganz leicht Umrisse durch 20 cm Kulturwasser erkennen kann, was leider auf dem Bild rechts nicht so richtig zur Geltung kommt.

Die Beleuchtung

Die Beleuchtung erfolgt mit normalen Tageslichtröhren (T8 oder T5 oder was man gerade hat) im Tag/Nachtrythmus (10/14).

Einer der grössten Fehler den man machen kann ist, dass man zuviel Selco zugibt, denn das vertragen die Brachionus nicht und die Kultur stürzt unweigerlich ab. Dafür hat man dann vielleicht Euplotes oder noch schlimmer Paramecien oder ganz einfach trübes Wasser was auf Bakterien hinweist.

Nun wird täglich mit 0,5ml Selco ® S.parkle gefüttert. Falls die Kultur binnen 24 Stunden nicht eindeutig aufgeklart ist reduziert man die Futtermenge entsprechend.

 

Etwa am 5. Tag sollte die Kultur wieder eine ähnliche Brachionusdichte wie die des Ansatzes aufweisen. Ist dies der Fall kann erneut etwa 3 Liter frisches Salzwasser zugefügt werden. Die Futtermenge wird nun auf 0,8ml  erhöht. Diese Schritt werden nun so oft wiederholt und die Futtermenge auf die neue Kulturmenge angepasst, bis das Kulturgefäss voll ist.

Das heisst nach etwa 2-3 Wochen erhält man auf diese Weise etwa 1,4 Mio Brachionus. Die Brachionusdichte kann jedoch bis ca.140 Stk/ml und mehr erreichen. Dies kann unter dem Mikroscop sehr gut ausgezählt werden.

Ist man mit den Brachionus erstmal soweit gekommen kann an die erste Zucht von Fischen gedacht werden. Parallel dazu sollten spätestens jetzt zwei weitere Brachionuskulturen angesetzt werden. Dieses Vorgehen mit den Selcoprodukten vereinfacht das ganze erheblich, denn Phytokulturen stabil und über längere Zeit am Laufen zu halten, ist mit einigem Mehraufwand verbunden.

Wasser und Temperatur

Zur Kultivierung sollte ausschliesslich frisch angesetztes Salzwasser verwendet werden. Wechselwasser vom Aquarium birgt die Gefahr der "Verunreinigung" der Kultur durch unerwünschtes Zooplankton.

Die Temperatur in den Kulturgefässen sollte zwischen 20-25°C (max. 27°C) gehalten werden. Bei üblicher Zimmertemperatur ist dies ohne Heizstab zu erreichen. Je wärmer die Temperatur, je besser ist die Vermehrungsrate, wobei natürlich auch die Bakterien bei höheren Temperaturen schneller die Kultur zum Erliegen bringen können. Im angegebenen Temperaturbereich ist ein relativ sicherer Betrieb aber zu erwarten.

Die Anreicherung

Nun kann auch mit der Anreicherung begonnen werden.
Das Ziel ist, die Brachionus mit Omega3 Fettsäuren, Nährstoffen und Vitaminen anzureichern, um den Fischlarven gutes Wachstum, Gesundheit und Vitalität zu garantieren. Hierzu stehen verschiedene Mittel mit unterschiedlichen Gehaltsverteilungen zur Verfügung. Je nach Produkt unterscheidet sich die Art der Anreicherung. Die einzelnen Inhaltsstoffe finden Sie auf der Seite von OCELLARIS marine nachzuchten

- Protein Selco Plus ist eine feuchte Paste, welche man zusammen mit dem Selco ® S.parkle gleichzeitig und im gleichen Reaktor verwenden kann. Dosierung etwa im Verhältnis 1:1 zu Selco ® S.parkle.

- DHA Protein Selco ist ein Granulat, welches wir mittlerweile ebenfalls zusammen mit dem Selco ® S.parkle verwenden. Dosierung etwa im Verhältnis von 2:3 zu Selco ® S.parkle.

- Prolon ist ein Pulver, eigentlich zur Anreicherung von Artemien entwickelt. Wir verwenden es im Wechsel aber auch für die Brachionus wie das DHA Protein Selco.

- Easy Super Selco ist ein hochkonzentriertes Flüssigmittel und somit easy und sparsam in der Anwendung. Dosierung etwa drei bis vier Tropfen auf 15 Liter Kultur.

Wir wechseln das Anreicherungsmittel ca alle drei Tage, damit sind auch unsere Fischlarven abwechslungsreich gernährt.

Anmerkung:

Die Verwendung von Nähr- und Anreicherungsmittel zusammen im gleichen Kulturgefäss funktioniert nach unseren Erfahrungen jedoch nur bei den Brachionus. Artemien vertragen eine andauernde Anreicherung nicht, diese sind für max. 12 Stunden im angereicherten Wasser schwimmen zu lassen.

Sämtliche in diesem Bericht erwähnten Produkte sind nur am Hauptsitz von Swiss Aquaristik GmbH erhältlich.

Vielen Dank an Brigitte und Ruedi für diesen ausführlichen Bericht.

© 2009 – 2013, Harald Ebert, Alle Rechte vorbehalten.

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