Das Gorgonien-Lexikon ist eine deutschsprachige Datenbank über mein Interessensgebiet den Gorgonien, einem Teilgebiet der Meerwasseraquaristik. Dieses Lexikon wurde geschaffen, um zusätzliche Haltungshinweise - auch multimedial - den vielen Gorgonien zuzuordnen. Schon jetzt erhebt dieses Lexikon den Anspruch bei ausgesuchten Gorgonien Arten das umfassendste deutsche zentrale Nachschlagewerk zu sein. Das Lexikon ist aber auch ein Portal für alle Meerwasseraquarianer im Allgemeinen.

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Wissenswertes über Hefe © Text von Harald Ebert

Teil 1

Heute berichte ich  über die Verwendung von Hefe als Futtermittel im Bereich der Gorgonienhaltung. Ältere Berichte aus der Pionierzeit der Meerwasseraquaristik, aber auch neuere Berichte haben mich neugierig gemacht. Eigentlich ist es auch meiner Experimentierfreude zu verdanken, dass ich Hefe ausprobieren wollte. Auch hatten wir das Thema schon mal, und habe ein paar Zitate zusammengestellt.

Zitat:
Hefe ist doch lediglich Bakkifutter, vermehren sich diese dann stehen sie in Konkurenz zu den Cyanos...
da kann es schon mal vorkommen das die Cyanos verschwinden, aber wehe man macht zu viel davon rein...

Zitat:
also mit Hefe finde ich riskant, nachher gibts ne Bakterienblüte

Zitat:
hefe hat meines wissens mit bacs, bac- blüten etc absolut nichts zu tun, das haben wir schon vor ewigkeiten recht erfolgreich als filtrierefutter ins becken getan.

soweit ich mich erinnere, stirbt die hefe im salzwasser nicht ab, vermehrt sich aber auch nicht, ist also ideal.

gerade röhrenwürmer, schwämme und seescheiden scheinen mit der hefe recht gut zurechtzukommen,
und sie ist recht einfach zu händeln.


Aber was ist Hefe, oder besser Hefen? Klar, lernt man doch in der Schule ist ein Pilz, und die verschiedenen Hefen werden zum Backen verwendet oder zum Bier brauen genutzt. Aber mit Hefen kann man noch einiges mehr, so zum Beispiel Korallen ernähren.

Aber fangen wir von vorne an, interessieren soll aber nur die Trockenhefe.

Zusammensetzung und Bestandteile von Trockenhefe je 100 g

Brennwert 1361 kJ (325 kcal), Eiweiß 40,4 g, Fett 7,61 g, Kohlenhydrate 41,2 g, Ballaststoffe 26,9 g, Wasser 5,1 g

Mineralien: Kalium 955 mg, Phosphor 637 mg, Magnesium 54 mg, Calcium 30 mg, Natrium 51 mg, Zink 7,94 mg, Eisen 2,17 mg, Mangan 0,31 mg, Kupfer 436 µg, Selen 7,9 µg

Vitamine: Niacin (B3) 40,2 mg, Pantothensäure (B5) 13,5 mg, Thiamin (B1) 10,99 mg, Pyridoxin (B6) 1,5 mg, Riboflavin (B2) 4 mg, Folsäure (B9) 2340 µg

Man sieht allein schon an dieser Ausführung, was alles drin und dran ist am Naturprodukt Hefe, und das zu einem Bruchteil des Preises, was uns manch ein Futtermittelhersteller verkaufen will.

Ja und eine Hefezelle ist in der Regel zwischen 6 und 12 Mikrometer lang und ca. 4-8 Mikrometer dick. Um eine Vorstellung von dieser Größenordnung zu bekommen - ca. 10 bis 15 Hefezellen hintereinander aufgereiht entsprechen der Dicke einer Papierseite. Auch das ist ein weiteres Indiz, es wird vorläufig kein Produkt nur annähernd diese Partikelgröße haben.

Dann wären da noch die Aminosäuren, allesamt der hier gelisteten kommen auch in Gorgonien vor, Arginin, Lysin, Alanin, Tyrosin und Tryptophan, Methionin, Cystin, nur um ein Paar zu nennen.

Wir haben also mit der Hefe ein microfeines Schwebefutter mit Spurenelementen, Mineralstoffen, speziellen Aminobausteinen und Vitaminen.

Meine Versuche mit Hefe sind natürlich, anders kann man es nicht sehen, erst nach studieren einiger Recherchen zu Stande gekommen.  Aber ohne solche Versuche würden wir kein Stück weiterkommen. Als sichere Basis-Ernährung gibt es  1-2 mal täglich Trockenhefe. (die Hefe wird am besten sichtbar aufgenommen). Abgesehen davon befindet sich Hefe nach meinem Eindruck auch in der Mehrzahl der Korallen-Staubfuttermarken (zu unterschiedlichen Anteilen)

Aber Vorsichtig, durch den hohen Futtereintrag (Nährstoffeintrag) in Verbindung mit einer planktonschonenden Aquarientechnik (schwache bzw. indirekte Abschäumung, keine mechanische Filterung, u.s.w.) und ohne einen funktionierenden Schadstoffabbau, wird die Sache schief gehen.

Teil 2

Zum Thema Hefe habe ich sehr viele Zuschriften erhalten, so das ich mich entschlossen habe, das Thema zu öffnen. Eigentlich ging es um die Art der Dosierung, besser wann und wie oft. Gerne werde ich diese Fragen jetzt offen beantworten.

Wie schon am Anfang geschrieben, ist Hefe eigentlich nichts neues. Nur ist Hefe ein wenig in Vergessenheit geraten, es ist aber ein hervorragendes Nährmedium. Auch schon geschrieben wird Hefe auch heute noch eingesetzt, da in vielen Fällen dieses Nährmittel den gebräuchlichen Staubfuttersorten beigemischt ist. Leider wird um die Zusammensetzung der Staubfuttersorten solch ein Geheimnis gemacht, dass es für den Aquarianer nicht leicht, bisweilen überhaupt nicht erkennbar ist, was ist alles drin. Auch ein wenig kritisch hinterleuchtet, dass ist aber meine persönliche Meinung, ist der Aquarianer zu bequem alles zu hinterfragen.

So jetzt aber zum Eigentlichen zurück. Ich benutze Trockenhefe, die in Tüten, von der Firma die mit Oe anfängt. In aller Regel gebe ich Hefe zweimal am Tag dem Aquarium zu. Morgens, und abends in der Blaulichtphase. (überschneidet sich aber auch mit der Dunkelphase) Verwendet wird eine kleine Teelöffelspitze Hefe die mit 250ml Wasser gelöst wird. Ich lasse dann den Sud ca. 1 Stunde stehen. Mische dann noch etwas Planktonpulver bei, und fülle das Gemisch in eine kleine Tropfflasche. Der Tropfhahn ist so eingestellt, dass die Flüssigkeit in einem Zeitraum von ca. zwei bis drei Stunden in die Strömung tropft.

Das war es eigentlich. Für unser System haben wir festgestellt, dass die Anzahl der Kleinstlebewesen, nahezu explodiert ist. Cyanos die an einigen Stellen vorhanden waren, nicht mehr zu sehen sind, und die Polypen der Gorgonien viel länger geöffnet sind. Eine Verschlechterung der Wasserqualität habe ich auch nicht feststellen können. Aber dass schiebe ich auf das DSB Algenrefugium. Im DSB wird Nitrat abgebaut, von den Algen Phosphat. Das aber zusätzlich Plankton im DSB freigesetzt wird, und eine zusätzliche Nahrungsquelle freigesetzt wird, halte ich für ausgeschlossen.

Heute gebe ich Hefe folgendermaßen hinzu. Das Rezept stammt von einem Bekannten, der es mir erlaubt hat auf meiner HP zu veröffentlichen.

Es ist extrem einfach, alles was man braucht ist Hefe, Leitungswasser und Zucker.

700 - 800 ml Leitungswasser
28 g Zucker
3,5 g Hefe (er nimmt die Trockenhefe aus der Tüte, welche auch lebt und nicht so schnell kaputt geht, wie die gekühlten Würfel "Frisch-Hefe"... welche man aber auch nehmen könnte)

Das wird bei 25 °C etwa 2 Tage lang geschüttelt (oder eben beblubbert) und kann danach im Kühlschrank gelagert werden (wie lange?? einfach probieren).
Dass die Hefe wächst, sieht man an der zunehmenden Trübung. Ob die Kultur in Ordnung ist, riecht man. Ein angenehmer Hefe-Duft ist gut, sobald es irgendwie "käsig" riecht- hat man Bakterien oder sons etwas drin und sollte die Brühe lieber nicht verfüttern.

Man kann theoretisch neue Ansätze immer mit einem kleinen Spritzer aus den alten Hefekulturen animpfen. Da man sich aber auf diese Art schnell Bakterien einschleppt ist es einfacher, immer mit frischem Hefepulver neu zu beginnnen.

Bei diesem Rezept handelt es sich um lebende, aktive Zellen. Daher bitte langsam anfangen und das System an die Hefefütterungen gewöhnen...

Alle Angaben ohne Gewähr.

© 2009 – 2013, Harald Ebert, Alle Rechte vorbehalten.

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